May 14, 2019

Checkpoint Charlie is still a wound

Two former American ambassadors to West and East Berlin and Trockland's CEO Heskel Nathaniel talk about hope, freedom and a "Hall of Peace."

FrageAlmost 30 years ago, on June 22, 1990, the border checkpoint "Checkpoint Charlie" was dismantled and transported away. With that, one of the last visible signs of division disappeared. James and John, you both took part in the ceremony at that time. Do you still remember the moment when the American control barracks were lifted away by a giant crane?

BindenagelIt was a very interesting day, because the 2+4 negotiations (Editor's note: The negotiations between the foreign ministers of the four victorious powers and the two German states cleared the way for reunification.) were also taking place in East Berlin that day. At the time, U.S. Secretary of State James Baker had chosen this date because the dismantling perfectly symbolized the end of the Cold War, on the one hand, and to draw more attention to the negotiations, on the other. He invited his counterparts from the 2+4 negotiations to the ceremony, as well as the military commanders, the mayors from East and West Berlin, and Sabine Bergman-Pohl, the president of the People's Chamber and the last head of state of the GDR. (Anmerkung der Redaktion: Die Verhandlungen der Außenminister der vier Siegermächte sowie der beiden deutschen Staaten machten den Weg zur Wiedervereinigung frei.) in Ost-Berlin statt.  Der amerikanische Außenminister James Baker hatte sich damals für dieses Datum entschieden, da der Abbau zum einen perfekt das Ende des Kalten Krieges symbolisierte und zum anderen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Verhandlungen zu lenken. Zur Zeremonie hat er seine Amtskollegen der 2+4-Verhandlungen eingeladen, ebenso die militärischen Kommandanten, die Bürgermeister aus Ost- und West-Berlin und Sabine Bergman-Pohl, die Präsidentin der Volkskammer und letztes Staatsoberhaupt der DDR.  

Frage: Das Formelle beiseite getan: Was haben Sie damals gedacht? Sie waren ja selbst einmal als Soldat der US-Army in Würzburg stationiert. Als der Kran das Kontrollhäuschen abtransportierte, war damit auch für Sie persönlich der Kalte Krieg vorbei?

Am 22. Juni 1990 entschwebt über den Köpfen der Außenminister der vier alliierten Mächte, Vertretern der Bundesrepublik und der DDR sowie vieler Schaulustiger das Kontrollhäuschen des ehemaligen Grenzübergangs. Beim Festakt spielte die 298th U.S. Army Band. Mit dabei: Tubaspieler Sergeant Jeff Harper (lest seine Geschichte ebenfalls im Blog. Fotocredit: dpa Bildarchiv).

Bindenagel: Natürlich. Im Sinne von 2+4 haben wir alle damals gedacht, dass dieser Checkpoint nicht nur ein Symbol ist. Denn hier standen sich 1961 die Panzer gegenüber und es schwebte die unheilvolle Frage über allem: Könnte ein dritter Weltkrieg anfangen? Am 22. Juni 1990 standen wir plötzlich alle da und sagten, dass wir Frieden wollen.

Frage: Drei Jahrzehnte später sitzen wir hier und Checkpoint Charlie zählt zu Berlins meistbesuchten Touristenzielen. Die Zukunft des Ortes und sein Andenken sind jedoch immer noch unklar. Die Touristen sind da, aber man streitet man sich über die Gestaltung des Geländes. Was glauben Sie, John und Heskel: Wofür steht Checkpoint Charlie für die Leute heute?

Kornblum: Ich würde sagen, dass für die meisten Checkpoint Charlie ein Kuriosum ist. Es ist der letzte Ort, wo man den Kalten Krieg, der übrigens 30 Jahre her ist, nachempfinden kann. Die meisten jüngeren Menschen haben keine Ahnung, was das war. Es gibt Legenden, was da passiert oder nicht passiert ist. Es gibt Filme. So auch einer von Steven Spielberg, der auch am Checkpoint Charlie spielte. Und ich gehe immer wieder zum Checkpoint, um zu schauen, was die Menschen dort tun. Vor rund einem Jahr war ich mit einigen jüngeren Amerikanerinnen da und sie fragten mich: „Warum kommen so viele Leute hierher?“.  Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine gute Antwort geben konnte. Dieser Ort hat etwas, er strahlt eine besondere Energie aus. Ohne Checkpoint Charlie gesehen zu haben, kann man nicht sagen, dass man in Berlin war.

Frage: Heskel, Sie kamen in den frühen 1990er Jahren nach Berlin, kurz nachdem die Mauer gefallen war. Welche Erinnerungen haben Sie heute daran? Was meinen Sie, warum kommen die Leute zum Checkpoint Charlie? Und wofür sollte der Ort heute stehen?

Nathaniel: Ich war damals Student in London und suchte bei meinem ersten Berlin-Besuch den Checkpoint Charlie auf. Intuitiv sind wir da einfach hingefahren. Ich nahm eine Aufbruchstimmung wahr, eine Veränderung. Etwas war mit Gewalt geschlossen worden, unter Druck, und plötzlich war es offen. Heute sehe ich, dass der Checkpoint Charlie immer noch eine Wunde ist. Und es ist kein Zufall, dass 30 Jahre nach dem Mauerfall, nachdem so viel in der Stadt gebaut wurde, diese zwei Grundstücke immer noch unbebaut sind. Wir reden über eine Kreuzung, die die Welt gespalten hat, physisch wie auch ideologisch. Diese Energie, wie John sagt, die herrscht noch auf diesem Grundstück. Man spürt es, wenn man vorbeifährt oder läuft, dass irgendwas noch nicht vollkommen, noch nicht geschlossen ist.

Frage: James, Heskel beschreibt, dass der Checkpoint Charlie als Symbol für einen tieferen ungelösten Konflikt steht. Wenn man heute den Checkpoint Charlie besucht, erlebt man eine karnevalsähnliche Atmosphäre. Schauspieler in Uniformen posieren für 2 Euro pro Foto mit Touristen. Die Rolle der USA für den Checkpoint scheint runtergespielt worden zu sein. Warum glauben Sie ist das so?

Bindenagel: Dieser Konflikt, den Heskel ansprach, waren in Wirklichkeit zwei ideologische Konflikte mit einer Million Soldaten und Atomwaffen auf beiden Seiten. Unsere damalige Angst ist gewichen. Die Frage ist: „Wie kam es dazu, wie wurde es gelöst?“. Meine Master-Studenten in Bonn sehen die Welt in einer systematischen Fluidität. Sie sehen die heutigen Konflikte – in der Ukraine, Syrien etc. – und sagen „Eine Lösung ist möglich, genauso wie am Checkpoint“. Wie konnten diese sechs Minister am Checkpoint Charlie stehen und sagen „OK, wir verhandeln jetzt dieses 2+4-Abkommen, denn wir wollen eine friedliche Lösung. Eduard Schewardnadse (Anmerkung Red.: damaliger Außenminister der Sowjetunion) sagte damals: „Wenn alle Soldaten weg sind, dann werden wir Frieden haben.‘‘ Wie konnte das sein? Checkpoint Charlie zeigt, dass es möglich ist, eine friedliche Lösung eines großen Konflikts herbeizuführen.

Frage: John, Checkpoint Charlie steht als Beispiel für Frieden ohne Gewalt. Heskel sagt auch, dass die Wunde noch nicht geheilt ist als Symptom eines tiefer greifenden Streits. Stimmt das? Ist der Checkpoint Charlie nicht auch eine Warnung an unsere heutige Zeit?

Kornblum: Nein, das würde ich nicht sagen. Hier herrscht eine Symbolkraft, die nicht immer gesehen wird – genau das ist mein Anliegen an den Checkpoint Charlie. Der Ort steht nicht für Konfrontation, wie viele meinen, sondern für Einigkeit und Loyalität. Loyalität der westlichen Alliierten zu Deutschland. Checkpoint Charlie war der letzte Punkt zwischen Ostsee und Adria, wo Menschen frei und ohne Kontrolle rein und raus konnten. Das war möglich, weil die Westmächte – allen voran die Vereinigten Staaten – im Herbst 1961 auf die freie Zufahrt in und aus dem sowjetischen Sektor bestanden.  Dafür waren wir bereit zu kämpfen.

Deshalb war der Tag mit dem Panzer so wichtig. Nur so haben die Russen verstanden, dass sie nicht mit uns spielen konnten. Wir hatten das Recht, in den Ost-Sektor der gemeinsam Stadt Berlin zu fahren und wir wollten dieses Recht auch ausüben. Ins Heute übertragen, gibt es in Deutschland viele Zweifel und Sorgen und Europa sieht sich zwischen China und den USA reingequetscht. Das stimmt so nicht! Europa und Amerika sind der Westen. Wir sind der Mittelpunkt und nicht irgendwie reingequetscht. Checkpoint Charlie sollte für Deutschland der Beweis sein, dass der Westen immer da war, als Nachkriegsdeutschland das brauchte. Ich war drei Jahre lang, wie solle ich das sagen, der zivile Befehlshaber vom Checkpoint Charlie. Wir haben uns damals sehr bemüht, dieses Tor offenzuhalten. Das für mich ist die wirkliche Bedeutung von Checkpoint Charlie.

Frage: Heskel, John spricht über die US-Rolle für den Frieden, für Deutschland und Europa während des Kalten Krieges. Heute wird am Checkpoint Charlie das Andenken daran in unpassender Weise mit Schauspielern begangen. Es ist mehr eine Bespaßung, eine Veräppelung der Geschichte. Warum ist diese Leistung vergessen?

Nathaniel: Ich sehe es ebenso, wie John es beschrieben hat. Das ist ein Standort, der aus amerikanischer Sicht das Tor der freien Welt war. Ohne die amerikanische Intervention am Checkpoint Charlie hätten wir heute kein freies Deutschland und wiedervereintes Berlin. 30 Jahre danach denken die Menschen nicht mehr unbedingt daran, andere wiederum haben ihre ganz eigene Sichtweise darauf. Was wir heute dort sehen, ist nur eine Zwischenlösung, die Wunde ist noch da. Gestern war ich wieder dort. Es ist einfach unbeschreiblich. So viele Menschen kommen dorthin und erwarten irgendwas, wollen die Vergangenheit nachempfinden. Deshalb ist es notwendig etwas zu schaffen, das eine Geschichte erzählt.

Frage: Eine Zwischenlösung ist eine gute Beschreibung der momentanen Situation am Checkpoint Charlie. Bevor wir uns der Zukunft des Platzes widmen, ich würde von James etwas über die jetzigen amerikanisch-deutschen Beziehung wissen. Die USA definieren ihre Beziehung zum NATO-Partner Deutschland neu, fordert mehr Unterstützung und Geld für die Sicherheit Europas. Das ist hier in Deutschland sehr umstritten. Könnte das in irgendeiner Weise für die Zukunft des Checkpoint Charlie relevant sein?

Bindenagel: Ich schließe mich Johns Kommentaren an. Der Checkpoint Charlie als Symbol für die Freiheit ist immer noch sehr wichtig. Wir Amerikaner haben sie garantiert. Aber denken wir auch an Deutschland. Die Bewegung der Freiheit führte am 9. Oktober 1989 in Leipzig zur friedlichen Revolution. Bezogen auf den Checkpoint Charlie und die transatlantischen Beziehungen ist heute die Anknüpfung daran aus unserer Sicht nicht mehr so stark. Sie fokussiert sich mehr auf das Finanzielle. In unseren Beziehungen sollten wir darüber reden, dass die friedliche Revolution und die Einheit Deutschlands durch die gemeinsame Arbeit an den Sicherheitsfragen möglich waren. Heute müssen wir weitergehen und sagen, dass mehr für die Sicherheit Europas und auch Deutschlands getan werden muss. Wie John sagte, standen wir für Freiheit. Das sollte auch in Zukunft so sein, dazu müssen wir neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und den Klimafragen auch Sicherheitsfragen einbeziehen. Und das kostet Geld.

Gespannte Stimmung zwischen den Supermächten im Herzen Berlins wenige Wochen nach dem Mauerbau. Sowjetische    (T 54) und amerikanische (vorn) Panzer standen sich am 28.10.1961 an der Sektorengrenze in der Friedrichstraße gegenüber. (Fotocredit: picture alliance/dpa)

Frage: Heskel, Sie kamen nach Deutschland in den frühen 1990er Jahren und sind hier geblieben. Deutschland steht traditionell im Mittelpunkt zwischen Ost und West und spielt diese Rolle seit der Bismarckschen Außenpolitik. Heute gibt mehr Ost-West Spannungen als vorher. Wie ernsthaft ist das und was für eine Rolle spielt es, wenn überhaupt, am Checkpoint Charlie?

Nathaniel: Diese Spannungen sind kein deutsches Phänomen. Wir sehen das heute überall. In Großbritannien, USA, Saudi-Arabien. Nennen Sie mir eine Stadt, in der momentan keine Konflikte vorhanden sind. Berlin ist ein Teil davon. Was ich hier sehe ist, dass extreme Seiten wachsen und die Toleranz schrumpft. Das spiegelt sich auch in den Wahlen und in der allgemeinen politischen Situation wider. Als ich herkam, gab es zwei große Parteien, die SPD und die CDU. Gemeinsam repräsentierten sie vielleicht 80 Prozent der Bevölkerung. Jetzt kommen sie zusammen vielleicht auf 30 Prozent. Für mich bedeuten rechte und linke Extreme im Endeffekt dasselbe. Dahinter ist dieselbe Energie. Ich habe recht und die anderen nicht. Das ist genau die Situation, die wir jetzt weltweit sehen, in der Kräfte gegeneinander stoßen: Wohlhabende und weniger Wohlhabende, Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Ideen. Dazu die Geschwindigkeit von Veränderungen. Da ich bin ein positiver Mensch bin, sehe ich das als einen Schritt in eine neue Welt.  

Frage: Heskel, Sie haben die heutige Gestaltung des Checkpoint Charlie als Zwischenlösung bezeichnet. Was wäre eine bessere Lösung?

Nathaniel: Ich würde dort gern einen Standort sehen, der Menschen anzieht, der ein Ort der Hoffnung ist, eine „Hall of Peace“. Das gilt auch für die Art und Weise, wie alle Beteiligten – von der Planung über Politik bis zu den Nutzern – diesen Ort gestalten, mit welcher Energie und Denkweise sie das Projekt umsetzen. Wie die Architektur am Ende aussieht, was in dieser „Hall of Peace“ genau passiert, das weiß ich jetzt noch nicht. Ich würde mir sehr wünschen, dass es ein Standort wird, der in den Berlinern, egal wo sie herkommen, aus Zehlendorf oder Köpenick, das Gefühl erweckt, das ist ihre Story. Dass sie sich mit dem Ort identifizieren können, dass sie darauf stolz sind. Wenn wir es schaffen, dass alle mit dieser Denkweise an dem Projekt arbeiten – und sind ist Hunderte, wenn nicht Tausende – dann haben wir es geschafft. Das ist wie eine Hochzeit. Wir sind im Endeffekt nur Verwalter. Wir koordinieren, wir arbeiten, wir bringen die Ideen. Wir sind vorübergehend da, um irgendwas zu kreieren, was am Ende bleibt, während wir vielleicht eines Tages nicht mehr da sind.

Frage: Eine Hochzeit zu planen ist häufig kompliziert, vor allem, wenn es eine auf einem sehr bekannten, offenen Platz mit vielen Teilnehmern ist. Glauben Sie, dass es trotzdem gelingt, alle Meinungen an einen Tisch zu bringen ist, um eine denkwürdige Lösung für den Checkpoint Charlie zu erreichen?

Nathaniel: Das ist unsere Aufgabe. Das geht nur mit viel Geduld, Leidenschaft, Liebe und Toleranz. Was wir im Endeffekt dort kreieren wollen, mit genau diesen Zutaten müssen wir arbeiten. Martin Luther King hat einmal gesagt: „The means you use must be as pure as the ends you seek.“ Wenn wir einen Standort für Frieden, Hoffnung und Toleranz schaffen wollen, so müssen wir genau mit dieser Denkweise vorangehen. Die Wunde wird nur geheilt, wenn eine kritische Masse Beteiligter mitgeht und wir nicht gegeneinander agieren. Wir arbeiten schon seit vier Jahren an diesem Projekt und immer, kurz bevor wir zu einer Lösung kommen, ereilt uns ein Rückschlag. Ganz so, als ob unsichtbar gesteuert wird, bis die richtige Lösung gefunden ist.

Frage: Was würden Sie den Skeptikern sagen, die dagegenhalten, dass eine Entwicklung das Platzes unwürdig ist?

Nathaniel: Eigentlich würde ich mich freuen, persönlich von jedem Kritiker, von jeder Person mit einer Idee zu hören und mir diese mitzuteilen. Ich kann, und das gilt für mein ganzes Team, von jeder Idee, jedem Gedanken oder Kritik, viel lernen. Was zählt ist die Motivation hinter dieser Kritik. Wenn es nur Kritik um der Kritik willen ist, wird das uns nicht helfen. Aber neue Ideen, die helfen, Lösungen zu finden, ist positive Kritik. Damit können wir arbeiten.

Frage: Kommen wir nun zum Ende unseres Gesprächs. Meine letzte Frage: Wenn Sie selbst Checkpoint Charlie planen könnten, wie sollte es dort aussehen. James?

Bindenagel: Ich möchte die Idee der Hochzeit aufgreifen, eine Hochzeit der Geschichte und der Zukunft. Geschichte ist nicht nur ein Erinnerungsstück, sie ist auch Teil einer lebendigen Stadt. Wie John sagte, es ist wirklich ein symbolischer Ort für viele, die sagen: „Ja, da waren wir damals. Und hier sind wir jetzt.‘‘ Wir sind für Freiheit, für Selbstbestimmung, für Souveränität und für den demokratischen Weg. Das ist – und das ist das Symbolhafte – die moderne Stadt. Eine moderne Stadt mit jungen Menschen. Das muss sich in der zukünftigen Gestaltung widerspiegeln.

John Kornblum (links): „Checkpoint Charlie war nicht, wie einige meinen, ein hässliches Zeichen des Kalten Krieges, es war genau das Gegenteil. Es war ein Zeichen von Hoffnung im Kalten Krieg in West-Berlin.“ (Fotocredit: Trockland)

Frage: John?

Kornblum: Eigentlich haben wir alles schon gesagt. Ich würde vor allem das Wort Hoffnung unterstreichen. Checkpoint Charlie war nicht, wie einige meinen, ein hässliches Zeichen des Kalten Krieges, es war genau das Gegenteil. Es war ein Zeichen von Hoffnung im Kalten Krieg in West-Berlin. Die Westsektoren von Berlin glichen fast 50 Jahre einer belagerten Insel, die Hoffnung für Freiheit und Zukunft ausstrahlte. Dieses Gefühl von Hoffnung muss immer wieder erneuert werden, da immer neue Herausforderungen aufkommen. So auch jetzt, denn wir sind in einer Phase des Pessimismus. Berlin, und vor allem Checkpoint Charlie, sollte ein Symbol der Hoffnung sein.

Frage: Heskel, das letzte Wort.

Nathaniel: Wenn wir über die Architektur, das Physische sprechen, also wie es dort einmal aussehen soll, so möchte ich einen Landmark schaffen, das Kraft und ein gewisses Selbstbewusst transportiert, gleichzeitig aber Demut ausstrahlt. Wenn wir das hinbekommen, wäre es sehr schön. Ein Ort der Herausforderung, der zeigt, dass hier etwas überwunden wurde. Dass man nun nach vorne schaut, stolz ist. Aber mit Demut.

Frage: James, John und Heskel, vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit.

Die Gesprächsteilnehmer

James D. Bindenagel war amerikanischer Diplomat und leitet heute das Center for International Security and Governance (CISG) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er auch die Henry-Kissinger-Professur innehat. 1989 bis 1990 diente er als leitender Diplomat in der amerikanischen Botschaft in Ost-Berlin. 1996 und 1997 leitete er als Geschäftsträger a.i. die Bonner US-Botschaft. Während seiner Amtszeit verhandelte er die erweiterte Mitgliedschaft Deutschlands im NATO-Bündnis.

John Kornblum war amerikanischer Diplomat und ist heute als Geschäftsmann tätig. Er wohnt in Berlin und war von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland. In den 1980er Jahren hat er den Gefangenenaustausch auf der Glienicke Brücke organisiert, unter anderem für den sowjetischen Dissidenten Anatoli Scharanski. Er war mitverantwortlich für Ronald Reagans berühmte Worte „Tear Down This Wall‘‘ während seiner Rede am 12. Juni 1987 in Berlin und Mitgestalter des Dayton-Friedensvertrages.

Heskel Nathaniel ist Mitbegründer, Partner und CEO von Trockland. Gebürtig in Israel, verbrachte er seinen Studienjahre in London. Seit 1992 ist er am deutschen Immobilienmarkt tätig und realisierte tausende Wohneinheiten in Berlin, Brandenburg und weiteren deutschen Städten. 17 Immobilienprojekte – bereits erstellt, in Bau oder noch in Planung – hat Trockland seit Gründung 2009 initiiert.

Two former American ambassadors to West and East Berlin and Trockland’s CEO Heskel Nathaniel talk about hope, freedom and a “Hall of Peace.”

Question: Almost 30 years ago, on June 22, 1990, the border checkpoint “Checkpoint Charlie” was dismantled and transported away. With that, one of the last visible signs of division disappeared. James and John, you both took part in the ceremony at that time. Do you still remember the moment when the American control barracks were lifted away by a giant crane?

Bindenagel: It was a very interesting day, because the 2+4 negotiations (Editor’s note: The negotiations between the foreign ministers of the four victorious powers and the two German states cleared the way for reunification.) were also taking place in East Berlin that day.  At the time, U.S. Secretary of State James Baker had chosen this date because the dismantling perfectly symbolized the end of the Cold War, on the one hand, and to draw more attention to the negotiations, on the other. He invited his counterparts from the 2+4 negotiations to the ceremony, as well as the military commanders, the mayors from East and West Berlin, and Sabine Bergman-Pohl, the president of the People’s Chamber and the last head of state of the GDR.

Question: Formalities aside, what did you think at the time? You yourself were once stationed in Würzburg as a soldier in the U.S. Army. When the crane removed the control house, was the Cold War over for you personally as well?

Bindenagel: Of course. In the spirit of 2+4, we all thought at the time that this checkpoint was not just a symbol. Because this is where the tanks faced each other in 1961 and the ominous question hovered over everything: Could a third world war start? On June 22, 1990, we suddenly all stood there and said that we wanted peace.

Question: Three decades later, we sit here and Checkpoint Charlie is one of Berlin’s most visited tourist destinations. But the future of the site and its memory are still unclear. The tourists are there, but people are arguing about how to design the site. What do you think, John and Heskel: What does Checkpoint Charlie stand for for people today?

Kornblum: I would say that for most people Checkpoint Charlie is a curiosity. It’s the last place where you can relate to the Cold War, which was 30 years ago, by the way. Most younger people have no idea what it was. There are legends about what did or didn’t happen there. There are movies. There’s one by Steven Spielberg that also played at Checkpoint Charlie. And I always go to the checkpoint to see what people are doing there. About a year ago I was there with some younger American women and they asked me, “Why do so many people come here?”.  I have to be honest and say that I couldn’t give a good answer. There is something about this place, it exudes a special energy. Without having seen Checkpoint Charlie, you can’t say you’ve been to Berlin.

Question: Heskel, you came to Berlin in the early 1990s, shortly after the Wall came down. What memories do you have of it today? Why do you think people come to Checkpoint Charlie? And what should the place stand for today?

Nathaniel: I was a student in London at the time, and I went to Checkpoint Charlie on my first visit to Berlin. Intuitively, we just went there. I perceived a sense of departure, a change. Something had been closed by force, under pressure, and suddenly it was open. Today I see that Checkpoint Charlie is still a wound. And it’s no coincidence that 30 years after the fall of the Wall, after so much construction in the city, these two lots are still undeveloped. We’re talking about a crossroads that divided the world, physically as well as ideologically. That energy, as John says, still reigns on this property. You can feel it when you drive by or walk by, that something is not yet perfect, not yet closed.

Question: James, Heskel describes that Checkpoint Charlie stands as a symbol for a deeper unresolved conflict. When you visit Checkpoint Charlie today, you experience a carnival-like atmosphere. Actors in uniforms pose with tourists for 2 euros per photo. The U.S. role in the checkpoint seems to have been downplayed. Why do you think that is?

Bindenagel: This conflict that Heskel was referring to was really two ideological conflicts with a million soldiers and nuclear weapons on both sides. Our fear at that time has given way. The question is: “How did it come about, how was it resolved?”. My master’s students in Bonn see the world in a systematic fluidity. They see today’s conflicts – in Ukraine, Syria, etc. – and say “A solution is possible, just as it was at the checkpoint.” How could these six ministers stand at Checkpoint Charlie and say “OK, we are now negotiating this 2+4 agreement, because we want a peaceful solution. Eduard Shevardnadze (editor’s note: then foreign minister of the Soviet Union) said at that time, “When all the soldiers are gone, then we will have peace.” How could that be? Checkpoint Charlie shows that it is possible to bring about a peaceful solution to a major conflict.

Question: John, Checkpoint Charlie stands as an example of peace without violence. Heskel also says that the wound has not yet healed as a symptom of a deeper dispute. Is that true? Isn’t Checkpoint Charlie also a warning to our times?

Kornblum: No, I wouldn’t say that. There is a symbolic power here that is not always seen – that is precisely my concern with Checkpoint Charlie. The place does not stand for confrontation, as many think, but for unity and loyalty. Loyalty of the western allies to Germany. Checkpoint Charlie was the last point between the Baltic Sea and the Adriatic Sea where people could enter and leave freely and without control. This was possible because the Western powers – above all the United States – insisted on free access in and out of the Soviet sector in the fall of 1961.  We were ready to fight for that. That is why the day with the tank was so important. It was the only way the Russians understood that they could not play with us. We had the right to go to the eastern sector of the common city of Berlin and we wanted to exercise this right. Transferred to today, there are many doubts and worries in Germany and Europe sees itself squeezed between China and the USA. This is not true! Europe and America are the West. We are the center and not somehow squeezed in. Checkpoint Charlie was supposed to be proof to Germany that the West was always there when post-war Germany needed it. I was for three years, how should I put this, the civilian commander of Checkpoint Charlie. We tried very hard at that time to keep that gate open. That to me is the real significance of Checkpoint Charlie.

Question: Heskel, John talks about the U.S. role for peace, for Germany and Europe during the Cold War. Today, Checkpoint Charlie is commemorated inappropriately with actors. It’s more of an amusement, a making fun of history. Why is this performance forgotten?

Nathaniel: I see it the same way John described it. This is a site that was the gateway to the free world from the American perspective. Without the American intervention at Checkpoint Charlie, we would not have a free Germany and a reunited Berlin today. Thirty years later, people don’t necessarily think about it anymore, while others have their own unique view of it. What we see there today is only an interim solution, the wound is still there. Yesterday I was there again. It is just indescribable. So many people come there expecting something, wanting to recreate the past. That’s why it’s necessary to create something that tells a story.

Question: An interim solution is a good description of the current situation at Checkpoint Charlie. Before we get into the future of the square, I would like to know from James about the current U.S.-German relationship. The U.S. is redefining its relationship with NATO partner Germany, asking for more support and money for European security. That is very controversial here in Germany. Could that be relevant in any way to the future of Checkpoint Charlie?

Bindenagel: I echo John’s comments. Checkpoint Charlie as a symbol of freedom is still very important. We Americans have guaranteed it. But let’s also think about Germany. The movement for freedom led to the peaceful revolution in Leipzig on October 9, 1989. In terms of Checkpoint Charlie and transatlantic relations, today the linkage to that is not as strong from our perspective. It focuses more on the financial. In our relations, we should talk about the fact that the peaceful revolution and the unity of Germany were made possible by working together on security issues. Today, we need to go further and say that more needs to be done for the security of Europe and also Germany. As John said, we stood for freedom. We should continue to do so in the future, and to do so we have to include security issues in addition to economic cooperation and climate issues. And that costs money.

Question: Heskel, you came to Germany in the early 1990s and have stayed here. Germany has traditionally been at the center between East and West, playing this role since Bismarck’s foreign policy. Today there is more East-West tension than before. How serious is that and what role, if any, does it play at Checkpoint Charlie?

Nathaniel: These tensions are not a German phenomenon. We see it everywhere today. In the UK, the US, Saudi Arabia. Name me one city where there is no conflict right now. Berlin is part of that. What I see here is that extreme sides are growing and tolerance is shrinking. That is also reflected in the elections and in the general political situation. When I came here, there were two big parties, the SPD and the CDU. Together they represented maybe 80 percent of the population. Now, together, they come to maybe 30 percent. For me, right-wing and left-wing extremes mean the same thing in the end. There is the same energy behind it. I am right and they are not. That’s exactly the situation we see now around the world, where forces are bumping up against each other: Wealthy and less wealthy, people of different faiths, different skin colors, different ideas. Plus the speed of change. Being a positive person, I see this as a step into a new world.

Question: Heskel, you described the current design of Checkpoint Charlie as an interim solution. What would be a better solution?

Nathaniel: I would like to see a site there that attracts people, that is a place of hope, a “Hall of Peace“. That also applies to how everyone involved – from planning to politics to users – shapes this place, the energy and mindset they bring to the project. What the architecture will look like in the end, what exactly will happen in this “Hall of Peace“, I don’t know yet. I would very much like it to be a location that awakens in the Berliners, no matter where they come from, from Zehlendorf or Köpenick, the feeling that this is their story. That they can identify with the place, that they are proud of it. If we manage to get everyone working on the project with this mindset – and there are hundreds, if not thousands – then we’ve made it. It’s like a wedding. The bottom line is we’re just administrators. We coordinate, we work, we bring the ideas. We’re there temporarily to create something that will end up staying while we may not be there one day.

Question: Planning a wedding is often complicated, especially if it’s one in a very well-known, open space with many participants. Do you think that it is still possible to bring all opinions to the table to achieve a memorable solution for Checkpoint Charlie?

Nathaniel: That is our task. It can only be done with a lot of patience, passion, love and tolerance. What we ultimately want to create there, those are the ingredients we have to work with. Martin Luther King once said, “The means you use must be as pure as the ends you seek.” If we want to create a site for peace, hope, and tolerance, we must move forward with that very mindset. The wound will only be healed if a critical mass of stakeholders goes along and we do not act against each other. We have been working on this project for four years and always, just before we reach a solution, we are met with a setback. It’s as if we’re being steered invisibly until the right solution is found.

Question: What would you say to the skeptics who argue that development is unworthy of the site?

Nathaniel: Actually, I would be happy to personally hear from any critic, any person with an idea and share it with me. I can learn a lot, and this goes for my whole team, from any idea, thought or criticism. What matters is the motivation behind that criticism. If it’s just criticism for criticism’s sake, it won’t help us. But new ideas that help find solutions is positive criticism. We can work with that.

Question: Now let’s come to the end of our conversation. My last question: if you could plan Checkpoint Charlie yourself, what should it look like there. James.

Bindenagel: I would like to take up the idea of a wedding, a wedding of history and the future. History is not just a memento, it’s also part of a living city. As John said, it’s really a symbolic place for many who say, “Yeah, that’s where we were then. And here we are now.” We are for freedom, for self-determination, for sovereignty, and for the democratic way. This is – and this is the symbolic thing – the modern city. A modern city with young people. That has to be reflected in the future design.

Question: John?

Kornblum: Actually, we’ve said it all before. I would especially emphasize the word hope. Checkpoint Charlie was not, as some think, an ugly sign of the Cold War, it was just the opposite. It was a sign of hope in the Cold War in West Berlin. For almost 50 years, the western sectors of Berlin resembled an island under siege, radiating hope for freedom and the future. This sense of hope must be renewed again and again as new challenges arise. So it is now, as we are in a period of pessimism. Berlin, and especially Checkpoint Charlie, should be a symbol of hope.

Question: Heskel, the last word.

Nathaniel: If we talk about the architecture, the physical, that is, how it should look there one day, I would like to create a landmark that conveys strength and a certain self-confidence, but at the same time radiates humility. If we can pull that off, it would be very nice. A place of challenge that shows that something has been overcome here. That one now looks forward, is proud. But with humility.

Question: James, John and Heskel, thank you very much for the interview and your time.

 

The participants

James D. Bindenagel was an American diplomat and now directs the Center for International Security and Governance (CISG) at the Rheinische Friedrich-Wilhelms University in Bonn, where he also holds the Henry Kissinger Professorship. From 1989 to 1990, he served as a senior diplomat at the U.S. Embassy in East Berlin. In 1996 and 1997, he served as chargé d’affaires a.i. of the U.S. Embassy in Bonn. During his tenure, he negotiated Germany’s expanded membership in the NATO alliance.

John Kornblum was an American diplomat and is now a businessman. He lives in Berlin and was U.S. ambassador to Germany from 1997 to 2001. In the 1980s, he organized the Glienicke Bridge prisoner exchange, including for Soviet dissident Anatoly Sharansky. He was partly responsible for Ronald Reagan’s famous words “Tear Down This Wall” during his June 12, 1987, speech in Berlin and a co-creator of the Dayton Peace Accords.

Heskel Nathaniel is co-founder, partner and CEO of Trockland. Born in Israel, he spent his student years in London. He has been active in the German real estate market since 1992, realizing thousands of residential units in Berlin, Brandenburg and other German cities. 17 real estate projects – already built, under construction or still in planning – have been initiated by Trockland since its foundation in 2009.

 

 

 

 

 

 

 

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